Besichtigung eines gemeinwohl-orientierten Betriebes im Raum Celle

Firmenrundgang- und -besichtigung eines gemeinwohl-orientierten Betriebes

Fa. Eckert KG, Großhandel f. Floristik und Deko-Bedarf
Stammsitz i. Adelheidsdorf  sowie einer Niederlassg./Blumengroßmarkt Sehnde

Die Firmenvorstellung fand im Rahmen eines kleinen Rundganges und anschl. round-table-Gespräches am Nachmittag des 21.10.16 statt und stieß zur Freude von Frau Eckert und der GWÖ-Ortsgruppe Celle
auf gute Resonanz (14 Interessierte).

Während des Rundgangs wurden die betrieblichen Abläufe erklärt und auf die Umsetzung der Gemeinwohlaspekte eingegangen.

Da für die GWunternehmenssitz-floristik-eckertÖ ökologische Nachhaltigkeit eine der Hauptsäulen des Konzeptes darstellt, entschied sich Annegret Eckert, u. a. den Abverkauf von Papiertüten zu fördern: dieses wurde realisiert durch eine neue Einkaufsquelle in Ostdeutschland und eine moderate Preisfindung. Im Gegenzug wurden Plastiktüten zwar nicht verbannt, jedoch im Preis angehoben, dies geschah bereits vor der Anti-Plastiktüten-Richtlinie der EU.!

Ein weiteres beeindruckendes Beispiel ist die Umstellung, die in ähnlicher Weise funktionierte (auf Anregung und Ideenfindung der Mitarbeiter, ein Produkt nicht aus dem Programm zu nehmen, sondern durch Preisanreiz) von einem umweltschädlichen Produkt zur Schädlingsbekämpfung “round up”, auf eine umweltfreundliche Alternative umzustellen. So wurde den Kunden (lt. Mitarbeiter u. Mitglied des Führungskreises Dominik Voß) der Umstieg in einem Zeitrahmen von ca. 1 Jahr, in  überzeugenden Gesprächen nachvollziehbar und schlüssig dargestellt .

Laut D. Voß hat diese Umstellung sogar keine nennenswerte Kundenabwanderung oder Einnahmeeinbuße zur Folge, im Gegenteil, das umweltschädigende Produkt wird kaum noch nachgefragt!!

(Werdegang und näheres z. Umstellg. s. auch Firmenbericht auf der Website der GWÖ: Celle@gemeinwohl-oekonomie.org)

Nach dem Firmenrundgang gaben Annegret Eckert und Dominik Voß, Mitglied des Führungskreises, im Rahmen eines round table-Gespräches, gerne Einblick in ihre persönliche Motivation und die positiven Erfahrungen mit der Gemeinwohlökonomie.

Was heißt es in der Praxis einen Betrieb umzustellen mit Schwerpunkt auf Gemeinwohlaspekte auf Grundlage der Gemeinwohlbilanz (“Herzstück” der GWÖ).

Annegret Eckert schilderte, dass sie den Widerspruch zwischen ihren persönlichen Werten und den Werten, wie Unternehmen funktionieren in Frage stellte, vor allem nach dem Kennenlernen des Konzeptes der GWÖ. Warum funktionieren Beziehungen über Vertrauen, Solidarität und Mitgefühl ?, während in der Wirtschaft Werte wie Rücksichtslosigkeit und Konkurrenzdenken gelebt und sogar belohnt werden? Durch das Kennenlernen der einzelnen Bestandteile der Gemeinwohlbilanz erkannte Annegret Eckert, dass in ihrer Firma vieles schon dem Gemeinwohl entspricht, zum Beispiel gibt es in der Firma keine fremden Kapitalgeber, die Geld aus der Firma ziehen. Die Eigentümer arbeiten selber mit.

Vieles hat die Firma schon positiv umgesetzt mit dem Schwerpunkt u.a. auf Transparenz und Augenhöhe, über den neuen Führungskreis. Dieser wurde unter Einbindung einer Gemeinwohlberaterin über einen längeren Prozess gegründet mit dem Ziel, wichtige Aufgaben der Geschäftsführung von der Chefin in einen Kreis von drei Personen zu überführen. Erstmals wurden auch Gehaltsgespräche im Kreis geführt, offen und nachvollziehbar für alle Mitarbeiter. Auch wichtige Marketingaufgaben und geschäftliche Perspektiven werden gemeinsam besprochen. (s. auch unter Abs. 2: erfolgreiche Produktumstellung)

In regelmäßigen Gesprächen wird die Arbeit strukturiert, wobei es wichtig ist, das jeder zu Wort kommen kann.(Mitentscheidung) ! !

Dominik Voß als Mitarbeiter und Mitglied des Führungskreises wurde gefragt, wie er die Veränderungen in der Firma wahrnimmt in Bezug auf Mitarbeiterführung, Augenhöhe und Wertschätzung. (besonderes Interesse eines Inhabers eines mittelständischen Elektrobetriebes)

  1. Voß stellte anschaulich und überzeugend anhand von Beispielen dar, dass ihn am meisten überzeugt habe dass er in der Firma jetzt mitentscheiden, auch in wichtigen Fragen, und somit den Entwicklungsprozess mit gestalten kann. Auch begeistere ihn die Tatsache, dass schon viele guten Ideen von seinen Kollegen kamen und diese auch umgesetzt wurden. Dieses ist Teil gelebter Mitbestimmung.

Annegret Eckert erklärte abschließend, dass es neben diesen Positiv-Beispielen der Umsetzung natürlich noch einiges umzusetzen gilt, überlegt wird  z.B. eine alternative Energieversorgung über Solarzellen.

Nichts desto trotz zeigt sich an diesem Beispiel wie motivierend es sich für einen Betrieb insgesamt auswirkt, wenn Mitarbeiter Vertrauen, Wertschätzung und Mitbestimmung/Mitbeteiligung erleben!

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